Wie es zu dem Crash kam oder was daran Schuld war,
weiss niemand. Fakt ist - shit happenes - meist dann, wenn keiner damit
rechnet.
Aber - und das weiss jeder - wenn dir Böses wiederfährt und
du bis zum Hals in der Scheisse steckst, dann merkst du wer deine Freunde
sind. Ich kann hier gar nicht alle aufzählen, die mir geholfen,
mich im Spital besucht, mich angerufen, mir Emails geschickt, mir im
BikeBoard gute Genesung gewünscht und sich um mich gesorgt haben,
ich würde sicher jemanden vergessen. Aber Freunde, ich war überwältigt
von eurer Anteilnahme und - das muss hier auch einmal gesagt werde -
ich danke euch allen sehr, ihr alle habt Anteil an meiner Genesung.
Nachstehend eine Zusammenfdassung der Wichtigsten Schritte auf dem Weg
vom Crash bis heute, wo's mir deutlich besser get und ich diese Zeilen
schreibe(n kann).
14.08.2009 Selbstheilung oder das Wunder
vom verschlichenen Prolaps.
Da mein Operateur auf Urlaub war und ich
mit Christine einen Trip nach Lana/Südtirol schon länger geplant hatte
hab ich mal gar nichts getan mit dem Bandscheibenvorfall. Das Wetter
in Lana war super und wir sind täglich mindestens 2 Stunden mit dem
Tandem in den Obstgärten zwischen Meran und Bozen rumgegurkt. Danach
ein bisschen ausruhen beim Pool im Moargütl.
Frau Zöschg, oder die "wilde Hilde" wie sich sich selbst nennt
führt die gemütliche Pension in ihrem alten Obstbauernhaus.
Der Blick von der Frühstücks-Terrasse über das ganze Tal bis Bozen und
in die Dolomiten ist legendär.
Am Naschmittag noch ein bisschen mit dem Rennrad auf einen der nahegelegenen
Pässe. Mein Liebelings-Trainingsberg der Gampen geht direkt in
Lana weg und hat auf 17,8km, 1170hm mit 6,6% Steigung. Ideal für
ein kurzes aber knackiges Bergtraining.
Nach Südtirol haben wir einen Abstecher nach Mattsee gemacht. Highlight
das Strassentheater in Eugendorf und Knödelessen beim Kaswirt am
Buchberg.
Und was macht der Bandscheibenvorfall? Er ist still und heimlich ganz
langsam verduftet. Ich will nyx verschreien aber ich habe kaum noch
Beschwerden und langsam aber sicher komm ich auch in Form.
18.07.2009 Und wieder ein Bandscheibenvorfall.
Da der Schmerz im linken Bein einfach nicht
wegging bin ich am Mittwoch zum MR gepilgert. Leider haben sich meine
ärgsten Befürchtungen bestätigt und es ist wieder ein Bandscheibenvorfall.
Selbe Ebene wie schon mal L4/5.
Die Frage die sich jetzt stellt ist - soll ich probieren konservativ
auszuheilen oder neuerliche OP? Ich kann zwar trainieren, aber nach
ein paar Stunden beginnt das Bein zu schmerzen. Da Christine jetzt mehr
Zeit hat als ihr leib ist - sie ist der Krise im Autogeschäft zum Opfer
gefallen - fahr ich mit ihr eine Runde am Tandem und dann, nach einigen
Stunden der Erholung, noch eine Einheit am Rennrad. Wie weit sich das
Ausbauen lässt und wie das der Körper aushält werden wir ja bald sehen.
Am Montag gehts eine Woche nach Süd-Tirol, da verstärken wir die Österreicherfraktioin
rund um Karli Schöpf und Günther Baringer die zur Zeit in Tramin auf
Urlaub weilen. Da kann dann schon ganz schön was zusammenkommen.
27.06.2009 Zwei Schritt vor - einer zurück.
Der Schmerz im linken Bein hat sich als
hartnäckiger herausgestellt als erwaret. Christina - meine Physiotherapeutin
- hat mir 5 Tage Pause verpasst.
Heute erste Ausfahrt seit letzen Sonntag mit dem Tandem. Hat sich gut
angefühlt, aber nach 1,5h hat sich der Schmerz wieder leicht gemeldet.
Da waren wir aber eh schon zuhaus.
Morgen werd ich mich gleich in der Früh auf den KTM-Revelator schmeissen,
bis Mittwoch müssen die 2.000km her, hoffentlich halt der Haxn des aus.
Am Donnerstag gehts dann nach Mattighofen zur Präsentation der KTM-Highlights
2010.
20.06.2009 MMP(mean maximal power) Vergleich nach
66 Tagen im Sattel
| Bereiche |
Feb 2009 |
20 Juni 2009 |
Differenz |
Diff.% |
| 15sec |
782 |
675 |
-107 |
-14% |
| 1min |
503 |
405 |
-98 |
-19% |
| 5min |
363 |
311 |
-52 |
-14% |
| 20min |
308 |
266 |
-42 |
-14% |
| FTP 60min |
290 |
250 |
-40 |
-14% |
Erstaunlich, aber nach nur 66 Tagen bin fast in allen
Bereichen bis auf 14% an die Werte vor dem Crash heran. Im 1min Bereich
fehlt mir am meisten, aber ich hab auch noch nicht wirklich darauf hingearbeitet.
Bin gespannt wielang die letzten 14% brauchen und dann fehlt ja nochmal
soviel auf die Leistung im August des vergangenen Jahres.
Als kleiner Warnschuss, dass ich nicht übermütig werden soll,
hat sich der Nerv in meinem linken Bein vom Piriformis bis etwa Mitte
Unterschenkel mit Schmerzen gemeldet. Doppelbelastungen wie am Vormittag Rennrad und am Nachmittag Tandem machen sich bemerkbar. Die nächsten Tage muss ich wohl etwas leiser treten. Ist aber eh kein Problem, weil es regnet hier in Mattsee (Urlaub-Trainingslager mit Christine) und die Temperatur ist
bis auf 10° gesunken.
06.06.2009 KTM Revelator Master 2009 – 1000km
Zwischenbericht

1000 km hat er jetzt am Buckel, der Revelator Master,
und ich fühl mich urwohl drauf.
Anschleichen kann man sich damit aber nicht.
Der KTM PRO-HR-FCM-Frame (Professionell-Hyper-Rigid-FullCarbonMonocoque-Frame)
des Revelator ist nämlich nicht nur ultra leicht und steif, sondern auch
ein gewaltiger Resonanzkasten.
Wenn man mit 55kmh bei rauem Asphalt und Rückenwind auf einen Fahrer aufläuft
dreht sich der schon um, bevor man noch 100m an ihm dran ist. Der Sound
ist berauschend und ich muss an den Eurosport Claim für die Wochenend-Motorsportsenung
denken: „Hear them roar“. Aber mehr zu den Details hier...
15.05.2009 From 90days on the back to 30days in
the saddle

FTP=220, ATL=120, CTL=56, TSB=-64
Nach 90 Tagen am Rücken liegen sitz ich nun
seit 30 Tagen wieder im Sattel. Wie überall war der Anfang recht schwer,
aber nach der ersten Woche am Ergometer gings so halbwegs. Seit das Korsett
weg ist und ich mit dem Revelator draussen fahren kann, läufts eigentlich
ganz gut.
Von meiner FTP (Stundenausdauerleistung) sind etwa 70 Watt weg, und im
Spitzenbereich fehlt noch vielmehr. Vor allem Schnellkraft und Maximalkraft
haben gelitten. Meine Beine sind auch vieol dünner und die Haut ist mir
vor lauter Muskelschwund zu gross.
.05.2009 Erste Ausfahrt am Revelator ohne Korsett

Den danach erscheinenen ausführlichen Erstbericht
im Zuge des bis Ende September abberaumten Langzeittest könnt ihr hier
im BikeBoard nachlesen
10.05.2009 Ich pack den Revelator aus

Ich hol mir die Schachtel mit dem KTM-Testrad
dem neuen Revelator Master aus dem Keller und pack ihn aus. Ein 6,9kg
leichter Carbonrenner der Oberklasse, mit alltagstauglicher Ausstattung
ohne teuren Schnickschnak. Nicht mehr und nicht weniger sondern genau
das was ein Master so braucht. Solide, praktisch, gut.
Zu mir und zu meiner Philosophie passt der Revelator Master auf jeden
Fall super. Kein unnötiger teurer Schnickschnack, funktionelle Alltagstauglichkeit
und die 200 bzw. 700gr erspar ich mir locker mit ein paar harten Trainingseinheiten.
08.05.2009 Das Korsett kommt weg
Endlich ist es soweit und ich geh zum ersten
Mal ohne Korsett aus dem Haus. Eine unglaubliche Befreiung. Weil's so
schön ist "vergess" ich am Nachmittag, bei der Tandemausfahrt mit Christine,
das Ding anzulegen.
04.05.2009 Kontroll-MR
Dr. Ivan ist zufrieden, der Wirbel
ist stabil und nicht weiter eingebrochen, doch die Schwellung ist noch
vorhanden und er verodnet mir Korsett für den täglichen Bedarf für eine
weitere Woche und beim Radfahren noch zwei Wochen. Meine Begeisterung
hält sich in Grenzen, weil ich kann das verdammte Ding schon nicht mehr
sehen.
21.04.2009 Physiotherapie mit Christina Nikolov-Pires
Christina, die hübsche Physiotherapeutin
in der Massagepraxis meines Freundes Ossi
Spitzer macht sich erst mal ein Bild meines nach wochenlanger Rückenlage
unbeweglichen und kraftlosen Körpers.
Ich hab deutlich an Muskelmasse und Gewicht abgenommen. An den Beinen
ist mir die Haut zu gross, den Gürtel muss ich mir aber um ein
Loch weiter schnallen. Die Wirbelsäule ist steif und weil ich den
Kopf kaum drehen kann dreh ich den ganzen Körper.
Dann gehts los, sie zeigt mir Übungen für zuhaus und beginnt mit der
Re-Mobilisierung meiner Wirbelsäule. Unter Christina's gekonnten
Griffen werden Wirbel bewegt und Verspannungen gelöst. Es tut zwar
ein weh, aber es geht was weiter das spür ich. Vor allem bin ich
mir erstmals sicher, dass ich mit Christina's professioneller Hilfe
wieder ganz gesund werde.
18.04.2009 Erste Tandemausfahrt mit Korsett

Ich kanns gar nicht erwarten, die erste
Ausfahrt mit Christine auf dem Tandem steht an.
Wir fahren nach Ybbs, dort findet das erste Zeitfahren der Saison statt
und wir treffen alle Klubkollegen und Rad-Radfreunde. Die Wiedersehnsfreude
ist gross und wenn ich denen so zuschau dann würd ich am Liebsten
gleich mitfahren.. Aber die paar km bis zur Wendemarke mit dem verdammten
Korsett, das mir fast die Eier abdrückt und mich am Atmen hindert
sind eine kleine Prüfung. Wir machen erst mal Pause, essen ein
Eis und machen Fotos
von der Wendekunst der Teilnehmer. Dann gehts wieder zurück zum Start
und ich hab für's Erste genug.
15.04.2009 Nähte rauss
Die Nähte kommen raus, ich soll 14 Tage
noch nicht belasten und nichts schwerews heben, aber einem Ergometertraining
in aufrechter Pose, natürlich mit Korsett steht nichts im Wege.
08.04.2009 Bandscheibenvorfall wird operiert
Wie sich herausstellt ist Dr.
Gideon Pernecky, der Neurochirurg der mich operieren wird, ein Schulkollege
von mir. Ich vertrau mich ihm an und komm unter sein Messer.
Dass die OP erfolgreich war, merk ich schon im Aufwachzimmer als die
Narkose nachlässt. Die Schmerzrn sind weg und ich kann gleich aufstehen.
Zwei Tage später Entlassung ohne nenneswerte Beschwerden. Von nun an
gehts bergauf.
30.03.2009 Bandscheibenvorfall
Plötzlich höllische Schmerzen, links die
vom Gesäss bis ins Bein ausstrahlen, ich kann weder gehen noch stehen
oder sitzen, nur mehr liegen ohne Schmerzen. Ab ins Rudolfinerhaus.
Diagnose: Bandscheibenvorfall zwischen L4 und L5. Nach zwei nur mässig
erfolgreichen Wurzelblockaden bleibt nur die Operation.
Auch Dr. Ivan ist unzufrieden, weil der Wirbelkörper angeblich
nochmal 2mm an Höhe verloren hat. Das nächste Kontroll-MR
ist für 04.05.2009 geplant.
09.03.2009 Ergometer mit Korsett
Die ersten 15min am Ergometer, 100 Watt
fühlen sich an wie 300, aber es ist trotzdem wie ein kleiner Sieg. Jetzt
jeden Tag ein bisschen mehr und nach einer Woche fahr ich bereits eine
Stunde, mit Korsett, sehr aufrecht, sehr schwach, aber 60min lang.
03.03.2009 Heim in Bett
Entlassung in häusliche Pflege mit Drei-Punkt-Korsett
und Cervicalstütze. Da vegetier ich noch eine Woche im Bett dahin bis
ichs nicht mehr aushalt.
20.02.2009 Der ÖAMTC bringt ich heim
Der
ÖAMTC
stellt sich mit einem Team der Tyrolean Air Ambulance ein. Auf die Minute
pünktlich, wie avisiert. Die Ärzte Crew packt mich in eine
Vacuumliege und ab gehts zum Flughafen wo schon eine Cessna Citation
wartet. Zu7m Glück hab ich den Schutzbrief, sonst wär ich
aufgeschmissen.
Knapp
vier Stundenspäter liege ich in Wien im Rodolfinerhaus
unter der Obhut von Dr.
Ivan Dobrocky. Der stellt ein ganzes Team von Experten zusammen,
darunter ein Neurologe, ein Neurochirurg, ein Internist sowie der Unfallchirurg
und -traumatologe Dr. Martin Leixnering. Ich komme nochmals in die Röhre
und werde gründlich durchgeechecked. Von den drei gebrochenen zu
operierenden Wirbeln, bleibt nur einer (LW1) der konservativ versorgt
werden kann. Die anderen zwei stellen sich als alte Verletzungen heraus,
die von einem Motorradsturz in meiner wilden Jugend stammen.
13.02.2009 Crash on Friday
Kreisverkehr, dann über die Kuppe, 53/13, jetzt gehts nur noch gerade,
bergab bis zum Meer. 12er, dann peng das 11er rein. Plötzlich rast der
Strassenbgraben auf mich zu. Wie das?. Scheisse denk ich mir, jetzt
stehst nimmer auf.
Ich liege am Asphalt, Kopf nach unten Richtung Meer, Beine Arme kann
ich bewegen, der Rücken schmerzt höllisch und zwischen den Schultzerblättern
ein Brennen das über meine Arme bis in die Daumen zieht. Aufstehen?
nein, das geht nicht.
Etwe eine Stunde nachdem Unfall Bin ich im Clinico, dem Univeristätsspital
von Malagal. Erste Diagnose 3 gebrochene Wirbel (Lw1, Bw12 und Bw11.
Dann 7 Tage bewegungslos auf dem Rücken bis die Transportfeigabe kommt.
|